Allgemein · Motivation

Cheatday, Cheatmeal oder was?

Also vor kurzem hatte ich ein grosses Stück dieser Torte, sowie 3 kleine Portionen Schokoladenmousse und drei Tortillas zum Abendessen. Früher hätte ich dem Cheatmeal gesagt, heute sag ich einfach, ich habe viel gegessen. Ja ich würde auch sagen, zu viel. Raste ich deswegen gleich aus? Nein, ich habe mich riesig gefreut, dass zu essen. Und jetzt geht es dann mit „normalen“ Essen weiter. Was heisst normal? Einfach ausgewogen und die nächsten Tage lass ich Süsses mal wieder weg. Mit vielleicht ein bisschen mehr Bewegung als sonst (zu meinem grundsätzlichem Training noch einen oder zwei Spaziergänge einplanen und dann hat sich das wieder).

Warum ich es nicht mehr „Cheat“ nenne

Als ich in der Wettkampfvorbereitung war, habe ich des Öfteren einen Cheat bekommen. Das heisst, ich durfte eine Mahlzeit aussuchen, die nicht in den Diätplan gepasst hat. Das hat prima funktioniert. Ich finde aber, für „Normalos“, die einfach gerne ein bisschen in Form kommen möchte, muss man das nicht Cheat nennen. Nenn es doch „das gönn ich mir“. Oder besser: gib dem überhaupt kein Namen, es ist einfach Essen… Heute nervt mich dieser Ausdruck ziemlich. Ich finde für den Alltag unnötig, solchen Gerichten einen speziellen Namen zu geben. Es hat einen so negativen Beigeschmack, als ob es etwas Böses ist, wenn man mal etwas isst, was nicht „gesund“ ist.

Warum ich keine Cheatdays mehr mache

Und dann hatte ich mal eine Phase in der ich Cheatdays eingeplant hatte. Das finde ich heute sehr unsinnig, denn das ist bei mir und meiner Freundin immer komplett ausgeartet. Am Schluss haben wir so viel gegessen, obwohl wir gar nicht mehr Hunger hatten. Aber es war ja: cheatday und wir wollten auf nichts verzichten müssen. Bei einem Cheatday haben wir dann wirklich unnötig überviele Kalorien zu uns genommen, alles mit der Begründung, dass wir das an diesem Tag ja durften. Und rückblickend finde ich zwei Dinge sehr bedenklich:

  • der „eine“ Tag: Alles für diesen einen Tag in der Woche aufgespart, um dann am Samstag zu eskalieren. Somit drehen sich – für meine Meinung – die Gedanken viel zu sehr ums Essen. Das sage ich, die ihr Essen immer noch bis zu 5x in der Woche abwiegt. Aber ich mache das aus Gewohnheit, weil es Spass macht. Ich habe auch kein Problem die Waage zur Seite zu stellen, wenn es einmal nicht geht oder ich an diesem Tag keine Lust habe. Bei dem Cheatday haben wir uns teilweise die ganze Woche über überlegt, was wir am Samstag alles essen könnten. Zuviel Energie – zuviele Gedanken rund ums Essen, ich finde das nicht gut.
  • Dann fängt man mit einem Tag an. Irgendwann wollten wir dann aber vielleicht schon am Freitag etwas Süsses essen. Und dann wurde der Cheatday auf den Freitag vorverlegt und da wir ja schon dabei waren, dann kam der Samstag ja auch noch dazu. Und so hat man dann halt mehrere „Ausnahmen“. Und bei den meisten geht es dann los: das schlechte Gewissen. Und schon ist man schneller in einem Loch, wo man nur von Selbstzweifel, Scham und schlechtem Gewissen umgeben ist. Die Essstörung ist dann näher als man denkt.

Wie ich es heute mache

Ich unterscheide immer zwischen Wettkampfdiät und dem normalen Leben. Bei einer Wettkampfdiät steht das Essen im Vordergrund und ein solches Leben ist nicht normal, ausser man macht es hauptberuflich. Dass heisst, die Wettkampfvorbereitung ist für mich ein Luxus. Sie kommt erst zum Zuge, wenn alles im Umfeld stimmt. Privatleben, Freunde, Familie, Beruf, Erholung etc., denn unerwartetes und Stress sind so gut wie möglich zu vermeiden. In der Wettkampfvorbereitung gibt es kein Pardon und keine Extramahlzeiten, ausser der Coach erlaubt es aus irgendwelchen Gründen.

Im alltäglichen Leben, esse ich Süsses wenn ich Lust draufhabe, es aber nicht emotionsgebunden ist. Emotionsgebunden? Ja, nicht, wenn ich Stress habe, traurig oder glücklich bin 😉 Ich habe aufgehört, essen mit Emotionen zu verbinden. Ich versuche ausgewogen zu Essen, bei Hunger erst zu einer vitaminreichen Variante zu greifen. Wenn ich aber mal richtig Bock auf ein Schokoladenbrötchen habe, ein grosses Ben&Jerries verdrücke oder ein Tortenstück mit 2000 kcal, ja dann esse ich das G E N Ü S S L I C H. Denn so Leid es mir tut, ich muss folgendes sagen: Von einem Ben & Jerries oder einem Tortenstück bist Du Ende Jahr nicht 5kg schwerer. Da muss die Kalorienbilanz für längere Zeit nicht stimmen.

Ich bewege mich viel, ich trainiere 5x in der Woche, gehe im Alltag doch einige Schritte und dann nehme ich nicht wegen einem Stück Torte 2kg zu, wenn ich ansonsten ausgewogen Essen.

Meistens sehe ich so viele zaubervolle Mädels, die danach ein richtig schlechtes Gewissen haben und / oder sich dann denken „ach jetzt ist‘s sowieso egal“ dann essen sie noch mehr. Das finde ich eben bedenklich und kann wirklich gefährlich werden.

Ich habe jetzt am Wochenende neben der Torte mir noch ein grosses Ben und Jerries gegönnt. Dass ich das nicht immer tun sollte, bin ich mir bewusst. Was mache ich jetzt? Mir kein schlechtes Gewissen einreden. Ich baue einfach zu meinem üblichen Sport vielleicht noch einmal einen Spaziergang ein. Vielleicht? Ja, wenn ich Lust habe 🙂

Was ich Dir mit auf den Weg gebe

  • Hör auf Dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Hast Du zugenommen, hast Du zuviel gegessen, dann frage dich eine Frage: Was ist der Grund?
  • Isst Du bei Stress, wenn Du traurig bist, dann frage dich: Wieso?

Wie so oft, plädiere ich für knallharte Selbstreflexion. Wenn Du EHRLICH zu dir selber bist, dann weisst Du wieso du es gemacht hast. Es ist doch noch meistens so – wir sind ja auch nur Menschen – dass wir kleine Entschuldigungen für unser Verhalten haben und uns rechtfertigen anstatt zu sagen:“okay I fu**** up“. Vielleicht isst Du die ganze Woche über „clean“ und dann hast Du auf einmal so Anfälle wo du alles erdenkliche in Dich hineinstopfst. Ja frage dich, wieso. Vielleicht isst Du unter der Woche viel zu wenige Kalorien, so dass du dann irgendwann einfach Hungerattacken bekommst. Oder vielleicht bist du auch frustriert und tröstet Dich mit Essen? Oder Du isst doch mehr Zwischendurch als du auf das erste Nachfragen zugeben möchtest? Sobald Du ehrlich zu Dir selber bist, kannst Du an Dir arbeiten. Dass heisst nicht, dass Du am nächsten Tag ein neuer Mensch bist und keine Rückfälle mehr hast. Aber Du wirst jedes Mal ein bisschen besser – und das ist doch toll 😮  Und irgendwann ist der Moment da, wo Essen einfach Essen ist und bleibt , Dich für nichts mehr entschuldigen musst und Deine Gedanken sich nicht nur ums Essen drehen. Wenn Du dir dann irgendwann bewusst wirst, dass Du es nicht schaffst, egal wie sehr Du dich anstrengst, dann brauchst Du vielleicht Hilfe. Und das ist okay – denn Du hast erkannt, dass es anders nicht geht und das ist schon ein grosser Erfolg

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