Allgemein · Motivation

Wie ich die Wettkampfvorbereitung erlebte und was seither geschehen ist

Bäm Bäm Bäm…. Heute ist der 1. Juli 2017 und genau vor einem Jahr bin ich in die Wettkampfdiät gestartet. Dies ist ein „kleiner“ (rund 1300 Wörter 😮 ) Rückblick, wie ich zu diesem Entscheid gekommen bin, wie ich die Wettkampfvorbereitung erlebt habe und wie es danach weiterging inkl. grossem Tief und Fotostrecke wie ich jetzt aussehe (klingt wie bei der Zeitschrift BRAVO 🙂 ).

Der Entscheid

Im Jahre 2013 habe ich mit Fitnesstraining angefangen. Eigentlich nur, weil ich nicht mehr „nur“ joggen wollte. Aber ich muss gestehen, dass ich das Training anfangs eher so semi-spannend fand. Daher suchte ich nach einer Herausforderung. Mein Hauptziel: einen sauberen Klimmzug hinzukriegen.

Ziel in den Kopf gesetzt und ab an die Stange (nicht an die, die ihr jetzt meint ;-)) … Die Realität ist teilweise hart, aber ich musste erkennen, dass ich R I C H T I G schlecht war. Das hat mich aber umso mehr angespornt, einen Klimmzug zu schaffen. Ich habe nicht aufgegeben und irgendwann hat es dann geklappt. Somit habe ich mir immer weitere Ziele gesetzt, die ich erreichen wollte.

So kam es dann, dass ich im Juli oder August 2015 (also gut zwei Jahre später) mich dazu entschieden habe, einen Coach aufzusuchen, welcher mich für den Wettkampf im Herbst 2016 vorbereitet.

…Wenn Du also mal einen Klimmzug geschafft hast, sei auf der Hut, dann ist die Bühne nicht mehr weit entfernt ;-))

Die Vorbereitung

Somit arbeitete ich mehr als ein Jahr mit einem Coach zusammen, was ich als gut empfinde. Alleine würde ich mir eine Wettkampfvorbereitung nicht zutrauen, da ich eine Person bin, die jemanden braucht, welcher mir den Weg zeigt. Vor allem in der Diät wurde es für mich immer wichtiger, denn ich hatte keinen Bezug mehr zu meinem Aussehen. Mehr dazu aber im nächsten Kapitel.

Was für mich extrem wichtig war: mein Umfeld miteinbeziehen. Bis auf meinen Freund hat niemand etwas mit Bodybuilding am Hut. Sobald ich meine ominösen Pulver ins Getränk gemixt habe, rollten schon die Augen und die Seufzer konnte ich auch nicht überhören. Was machte ich dann? Ich setzte mich mit meinen Liebsten zusammen und habe ihnen mein Vorhaben erklärt, was auf mich zukommt und was es ist. Anfangs waren die Reaktionen teilweise verletzend aber grössenteils wurde dies mit viel Neugierde und noch mehr Fragen gedankt.

Und ich sag es dir: das war die beste Entscheidung, die ich in der Vorbereitung treffen konnte. Wieso? Kannst Du ebenfalls ganz am Schluss lesen (…merkst Du wie ich dich quasi zwinge, bis zum Schluss zu lesen ;-)) ?)

Die Diät

Dann folgte die Diät. Die Kalorien wurden reduziert, Posing wurde geübt. So rückblickend hatte die Diät vier verschiedene Phasen, die sich so ziemlich ohne Reihenfolge – manchmal auch unmittelbar nacheinander – aufgetreten sind:

1. Die „alles-ist-super-Phase“: Voll motiviert geht es mit der Diät los. Relativ schnell sieht man die ersten Ergebnisse und man hat noch viel Energie, Freude und kann richtig Gas geben. Es läuft alles prima! Die Diät ist ja ein Kinderspiel!

2. Die „es-geht-nicht-vorwärts-Phase“: In dieser Phase fangen die ersten Selbstzweifel an… Die Gedanken spielen verrückt und man zweifelt alles an. Reicht es bis zum Wettkampf? Bin ich noch zu dick? Habe ich überhaupt Muskeln?

3. Die „ich-habe-Hunger-und-alle-sind-scheisse-Phase“: Diese Phase tritt vor allem gegen Ende an. Der Hunger war bei mir gerade so erträglich, ich habe immer versucht mich irgendwie abzulenken (Mandala malen #keinwitz, spazieren gehen, Rezepte ausdenken, viel Arbeiten) und viel getrunken. Auch wenn man sich irgendwie ablenken kann, ist die Zündschnur ziemlich kurz. Wenn dich dann jemand 3x dasselbe fragt, regst Du dich fürchterlich auf. Oder einmal habe ich vergessen, in welchem Stockwerk ich mein Auto geparkt habe…… Ich habe fast geheult, als ich auf der Suche nach meinem Auto war. Und einmal habe ich die Gabel für mein Essen vergessen, da war mein Tag vorbei. Auch wenn ich danach eine Plastikgabel gehabt habe, wars einfach vorbei.

Wenn man das so liest, denkt man sich: „boah die alte hat einen an der Klatsche“. Aber das ist auch so, erst in einer Diät merkst Du, wie Du Dich wegen K L E I N I G K E I T E N aufregen kannst. Heute lache ich darüber – aber im Moment war es der Untergang für mich.

In dieser Phase muss man sich beherrschen, denn Dein Umfeld kann nichts dafür, dass Du dich für diesen Weg entschieden hast.

4. Die „alles-ist-mir-egal-Phase“: Ganz am Schluss hatte ich eine spezielle Phase. Ich war voll und ganz fokussiert, konnte aber am Schluss keine Energie mehr für anderes aufwenden. Nicht aufgeräumt? Egal. Haare nicht gemacht? Egal. Essen schmeckt nicht? Egal. Keine Gabel? In dieser Phase: egal. Dann habe ich halt mein Hühnchen mit der Hand gegessen.

In dieser Phase war ich müde und wollte nichts anderes mehr machen als Schlafen, Essen und ersehnte den Wettkampftag herbei.

Der Wettkampf

Und dann kam der Wettkampf – ALLE Phasen sind vergessen und das Gefühl auf der Bühne zu stehen, ist unbeschreiblich. Noch heute kriege ich Gänsehaut und ich bin so froh, diese Erfahrung gemacht zu haben! Leider kann ich jetzt nicht noch über den Wettkampf berichten, denn ansonsten sprenge ich hier den Rahmen 🙂

Was nach dem Wettkampf folgte

So, die Wettkämpfe sind vorbei, das unglaubliche Bühnengefühl ebenfalls. Und was folgt danach? Bei mir ein grosses Loch. Kein Ziel mehr vor Augen – alles war vorbei, worauf ich mehr als ein Jahr lang hart gearbeitet habe.

Ich muss gestehen, dass ich nach dem Wettkampf ein Tief hatte. Ich wusste nicht, wie ich nach dem Wettkampf essen sollte, wieviel und was ich als nächstes machen sollte. Ich hatte nicht wirklich Freude am Training, ich wollte nur noch Essen auf was ich die letzten Monate verzichtet habe und wusste nicht was tun. Das ist jetzt für viele schwierig zu verstehen, ich hätte ja auch einfach wieder weitermachen können wie vor dem Wettkampf. Aber ich konnte nicht. Das Fass war voll und verloren war die Lust am Training. Das dauerte gut 2 Monate. Ich ging noch so 3x wöchentlich ins Training und habe überhaupt nicht uf mein Essen geschaut habe. Und heute weiss ich, dass gerade nach dem Wettkampf ein „Ausdiäten“ wichtig gewesen wäre, was ich damals aber nicht wusste. 2 Monate später hatte ich gut 10kg mehr als auf dem Wettkampf auf den Rippen und wog rund 4kg mehr als beim Diätstart.

(Startgewicht bei Diät: 63 kg; Wettkampfgewicht im Oktober2016: 57kg; Dezember 2016 67kg)

Und wie ich am Anfang geschrieben habe, brauchte ich irgendwie einen Aufhänger, etwas, dass mich aus dem Loch holte. Selbst ein: ich mache jetzt ein Jahr Pause und starte an der Herbstmeisterschaft im 2017, hätte mir geholfen. Oder auch: Ich werde nie mehr starten. Aber ich wusste nicht was ich wollte, an einem Tag hatte ich eine Meinung, am anderen eine andere.

Was mich wirklich am meisten überrascht hat, war, dass ich die Freude am Trainieren verloren. Und das war das, was mich am meisten störte. Wenn man mich vor dem Wettkampf gefragt hätte, ob ich lieber ins Kino oder ins Gym will, wäre Gym immer die erste Wahl gewesen, aber weil es mir Spass machte. Und die zu verlieren, war schlimm für mich, ich wusste nicht wie damit umgehen.

Und was folgt jetzt?

Gut zwei Monaten nach dem Wettkampf habe ich mich wieder ein bisschen gefangen. Ich hatte die Kraft gefunden, mich aufzuraffen, mit dem Coach neue Ziele zu stecken, neue Trainingssplits gemacht (ganz Körper und nur noch 4x in der Woche) und so langsam aber sicher kam ich wieder in den Rhythmus.

Ich wiege mein Essen jetzt seit ein paar Wochen eigentlich selten noch ab. Aber wenn ich gerade Freude habe, wiege ich mein Essen. Ja ihr habt richtig gelesen: wenn mich die Freude habe! und nicht aus anderen Gründen (Zwang oder ähnliches). Es gefällt mir nämlich, vorzukochen, mich gesund zu ernähren, weil ich weiss, dass es meinem Körper gut tut. Ich kann mich auch ohne Waage gesund ernähren, dennoch gefällt es mir einfach, manchmal noch mein Essen abzuwiegen (ja, jetzt könnt ihr wirklich denken: die hat einen an der Klatsche… :-)).

Süsses gönne ich mir auch noch – öfters 🙂  und ich geniesse jeden einzelnen Bissen davon. Ich bin froh, dass ich eine tolle Balance gefunden habe und meinen Körper mag, auch mit ein paar Kilo mehr als letztes Jahr.

Werde ich wieder starten? Ja unbedingt, aber erst im Sommer 2018. „Erst“ heisst aber nicht, dass ich bis im Winter keinen Sport mehr mache. Bodybuilding gehört zu mir wie der Augenbrauenstift, ohne den ich nicht aus dem Haus gehe 🙂 Das heisst: das Training wird fünfmal in der Woche durchgezogen, weil es Spass macht und ich Gas geben kann.

Vorschläge

Jetzt habe ich über 1300 Wörter geschrieben und erst ein „Learning“ mitgeteilt. Ich muss lachen, wenn ich Learnings mitteile – ich bin ja selber noch ein Anfänger und habe erst zwei Wettkämpfe gehabt 🙂 Aber hey: Wieso solltest Du aus meiner Reflexion nicht was mitnehmen können?

  1. Teil dich deinem Umfeld mit: Das habe ich am Anfang kurz angeschnitten. Nimm Dein Umfeld auf Deine Reise mit, auch wenn sie es nicht verstehen. Das ist ja auch völlig in Ordnung aber es tut unglaublich gut, wenn Du Leute hast, die dich unterstützen (und das geht auch ohne, dass sie dein Vorhaben verstehen :-)). Oftmals ist es die Angst vor dem Unbekannten, weshalb Menschen abweisend reagieren.
  2. Mach dir bewusst, wieso du das machst: Wieso willst Du Wettkämpfe machen? Weils gerade trendy ist? Oder wem willst Du etwas beweisen? Wenn Du es nicht für Dich alleine machst, würde ich es Dir abraten. Mir waren die anderen immer egal – sprich: ich habe mich nie unter Druck gesetzt, wie die anderen aussahen. Mein persönliches Ziel war unter die Top 6 zu kommen.
  3. Haltet zusammen: Auf der Bühne stehst Du alleine – oder mit „Konkurrentinnen“. Ich bin heute noch der Überzeugung, dass auch wenn man „alleine auf der Bühne kämpft“ seine Attitude ändern kann. Ich hatte das Glück, dass ich mit tollen Frauen im Finale war. Wir hätten uns auch anzicken können, aber jetzt mal ehrlich: Wir haben alle scheisse hart für den Bühnenmoment gearbeitet!! Gönnen wir uns doch gegenseitig die Platzierung und freuen uns auf ein unvergessliches Erlebnis!
  4. Es ist okay, aufzuhören: Auch wenn Du die Vorbereitung nicht durchhältst, ist das doch okay. Du bist deswegen nicht schwach – oder schlecht. Du hast es versucht, und es hat (bei diesem Mal) vielleicht noch nicht geklappt. Das ist in Ordnung, mach Dich deswegen nicht fertig. Geh über die Bücher und überlege Dir weshalb es nicht geklappt hat. Willst Du es vielleicht doch nicht so sehr? Machst Du es für andere?
  5. Geh rechtzeitig zu einem Coach oder bereite Dich frühzeitig darauf vor. 3 Monate vor Wettkampf einen Coach aufzusuchen, kann funktionieren. Es kann aber auch nach hinten los gehen und dann ist die Enttäuschung nicht weit entfernt. Daher würde ich mir mind. 1 Jahr vorher ein Coach suchen, der dich auf die Bühne vorbereitet. So lernt er Dich und Deinen Körper kennen (ok, das klingt jetzt ein bisschen seltsam, aber ich hoffe, ihr wisst was ich meine)
  6. Abschalten: Es kommt auch die Zeit, wo Du dich wieder in die Realität holen musst 🙂 Während der Diät ist man fokussiert, alles andere steht hinten an. Das ist auch gut so und muss es wohl auch, denn bei einer Wettkampfvorbereitung kann man nicht mehr auf allen Tischen tanzen 🙂  Aber wenn das mal vorbei ist, ist es auch Zeit, sich um die Familie und Freunde zu kümmern. Ich trainiere jetzt auch noch 5x die Woche, vergesse aber nicht, dass ich die noch vorhandene Zeit, mit meinen Liebsten zu verbringen. Denn es kommt wieder die Zeit, in der ich fokussiert bin und der Wettkampf im Vordergrund steht. Und ich glaube diese Balance ist wichtig.

Und wer jetzt diesen Beitrag bis zum Schluss gelesen hat, hat Durchhaltevermögen 😉 Danke fürs Lesen!

Oktober 16          Dezember 16           März 17                                          Juni 17

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